Regionale Wertschöpfung und Beschäftigung durch erneuerbare Energien

Studie zur Wertschöpfung durch erneuerbare Energien macht Kommunen Mut.

Am 30.04. erläuterte Dr. Steven Salecki vom Institut für ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW) in einem Webinar von EUROPE CALLING die Ergebnisse der neuen Studie „Regionale Wertschöpfung und Beschäftigung durch erneuerbare Energien“, die am 23.04.2026 veröffentlicht wurde.

Salecki ist einer der Autoren der Studie, die 2023 u. A. vom damaligen grünen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Sven Giegold in Auftrag gegeben wurde. Normalerweise werden Studienergebnisse, die von Steuergeldern finanziert werden und eine hohe politische Relevanz aufweisen in einer Pressekonferenz vorgestellt. In diesem Falle ist dies jedoch nicht geschehen und es stellt sich die Frage, warum wichtige Informationen bezüglich der Förderung von Kommunen und strukturschwacher Regionen mithilfe des Zubaus erneuerbarer Energien nicht öffentlichkeitswirksam geteilt werden? 

Auch für Lilienthal bieten die Ergebnisse großen Erkenntnisgewinn zumal das Damoklesschwert der möglichen Erdgasförderung wieder über der Gemeinde hängt. Ein Ausbau der Erneuerbaren wäre gegenüber der Förderung fossiler Stoffe sehr viel umweltverträglicher und entgegen aller rückwärtsgewandten Narrative auch finanziell lohnend – für die Gemeinde und die Anwohnenden!

Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie von Sven Giegold:

1.Erneuerbare Energien tragen schon im Untersuchungsjahr 2023 erheblich zur regionalen Wertschöpfung bei

Zur regionalen Wertschöpfung gehören die Effekte beim lokalen Handwerk durch Installations- und Wartungstätigkeiten sowie die Gewinne aus dem Betrieb kleiner Photovoltaik-Anlagen (<100kW), sowie Einnahmen aus der Verpachtung von Grundstücksflächen und gesetzlich gesicherte Anteile der Gewerbesteuern auf Betreibergewinne. Alleine Wind und PV konnten in 2023 regionale Wertschöpfung von mindestens 3,5 Mrd. Euro erzielen. Das Potential lag sogar bei 5,5 Mrd. Euro. Die Differenz von 2 Mrd. Euro stellt Betreibergewinne großer Anlagen dar, die mangels regionalspezifischer Daten nicht genau verortet werden konnten. In Regionen mit lokal verankerten Erneuerbaren-Projekten bleiben Gewinne auch vor Ort.

2. Das Potential für die regionale Wertschöpfung lässt sich bis 2033 dramatisch steigern

Bei Erreichen des geplanten Ausbaupfades wird die regionale Wertschöpfung aus Wind und PV in 2033 mindestens 8,6 Mrd. Euro erreichen. Das Potential für regionale Wertschöpfung liegt bei 12,4 Mrd. Euro in 2033 jährlich. Gegenüber 2023 könnten die Regionen also 9,1 Mrd. Euro zusätzlich erlösen, wenn das Betreiberkapital aus den Regionen selbst käme und der Ausbaupfad in 2033 erreicht wird.

3. Besonders strukturell benachteiligte Regionen profitieren von Erneuerbaren Energien

In Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, NRW, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind die Regionen mit hoher Wertschöpfung in 2023 aus Erneuerbaren auch benachteiligte Regionen. Sie profitieren besonders und können Fördergelder aus der Regionalpolitik des Bundes, der EU und der Länder für ihre wirtschaftliche Zukunft einsetzen. Erneuerbare tragen daher zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse bei.

4. Für die regionale Wertschöpfung ist Aufdach-PV entscheidend.

Während die Windenergie in 2023 mindestens 1,6 Mrd. Euro an regionaler Wertschöpfung beiträgt, sind es bei Aufdach-PV 1,8 Mrd. Die Freiflächen-PV trägt dagegen nur 0,1 Mrd. Euro bei. In 2033 liegen die entsprechenden Werte bei 3,6 Mrd. Euro aus Wind, 4,7 Mrd. Euro Aufdach PV und 0,3 Mrd. Euro Freiflächen PV. Kurzum: Auf die Aufdach-PV kommt es für die regionale Wertschöpfung an, denn sie ist fast immer Besitz regionalen Kapitals. Beim Wind zählt ebenso, wem die Anlagen gehören. Regionales Kapital könnte hier die regionale Weretschöpfung in 2033 von jährlich 3,6 Mrd. auf 6,2 Mrd. Euro steigern! Das Potential bei Freiflächensolar liegt in 2033 „nur“ bei 0,7 Mrd. Euro jährlich.

5. Regionen mit hohem Solarausbau wachsen schneller

Das Wirtschaftswachstum in den Top 5% Solarausbau-Regionen lag von 2017-2022 bei 24%, während alle Regionen im Durchschnitt nur mit 16% wuchsen. Wieder ist hier die Solarenergie entscheidend. Ein schneller Solarausbau ließ das Wachstum doppelt so schnell steigen wie ein schneller Windausbau. Solarinstallateure siedeln sich eher vor Ort an und sorgen für Wertschöpfung und Beschäftigung.

6. Die Regionen können durch örtliches Engagement ihre Wertschöpfung steigern

Die Kommunen, Bürger*innen und lokale Unternehmen haben großen Einfluss darauf, ob das regionale Wertschöpfungspotential aus den Erneuerbaren ausgeschöpft wird. Kommunen können Erneuerbaren-Anlagen selbst betreiben. Sie können auf eigenen Flächen Wind und PV planen. Bürgerenergiegenossenschaften und -gemeinschaften können gefördert werden. Lokale Unternehmen und Banken spielen eine wichtige Rolle, um Wertschöpfung in der Region zu halten. Schon bei der Regionalplanung sollten die regionalen Wertschöpfungseffekte bedacht werden.

7. Bundes- und Landespolitik kann die Kommunen unterstützen, ihre Wertschöpfung aus den Erneuerbaren zu steigern

Kommunen in Haushaltsnotlage sollten die Möglichkeit bekommen, in Erneuerbare selbst zu investieren. Bundesländer können wie in Niedersachsen und NRW verbindliche Regeln für die Beteiligung von Kommunen und Anwohner*innen an neuen Erneuerbaren-Anlagen erlassen.

Für Lilienthal wäre das eine gute Möglichkeit mittel- und langfristig finanziell wieder Spielraum zu erlangen. Durch eine direkte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger würde die Akzeptanz wachsen, Abhängigkeiten von Konzernen würden abgebaut und Strompreise würden sinken. 

Wir Grüne setzen uns für die Energiewende vor Ort ein und fördern gleichermaßen den Klimaschutz und die Wirtschaft in Lilienthal.

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