24.09.2018

Offener Brief: Seismische Messungen auch im Landkreis Osterholz und in Lilienthal geplant

Gemeinde Lilienthal

Herrn Bürgermeister Tangermann

Klosterstraße 16

28865 Lilienthal

 

Offener Brief

Seismische Messungen auch im Landkreis Osterholz und in Lilienthal geplant

Im Januar/ Februar 2019 plant die Dea auch unter Lilienthaler Gebiet seismische Messungen. Für die Messungen sollen spezielle Fahrzeuge kurzzeitig Schallwellen in die Tiefe senden. Hierbei erzeugen die an sog. Vibro-Trucks angebrachten Vibrationsplatten die benötigten Schallwellen. Neben den Motorengeräuschen können auch Oberflächenvibrationen spürbar sein. Nicht umsonst setzt die Firma, sobald sie sich Häusern nähert, Schwingungsmessgeräte an den Gebäuden ein.

Die grundsätzliche Erlaubnis für die Aufsuchungsarbeiten im Messgebiet habe das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) der Dea erteilt, teilt diese mit. Den für die geplanten seismischen Messungen notwendigen Hauptbetriebsplan wollte sie in den letzten Tagen zur Genehmigung beim LBEG einreichen, das dann auch die „Träger öffentlicher Belange“– betroffene Kommunen und Landkreise– am Verfahren beteiligt.

Bündnis 90/ Die Grünen fordert die Verwaltung auf den Messungen zu widersprechen.

Wir befürchten, dass solche Messungen praktisch nahtlos in Bohrungen bzw. eine Gasförderung übergehen könnten. Denn: Seismische Untersuchungen dienen der Erfassung vorhandener Erdgaspotentiale, um zu ermitteln, ob sich eine Förderung für die Dea lohnt.

Erdgas gilt als umweltfreundlich, aber sowohl bei der Gewinnung als auch bei der Verbrennung von Erdgas wird die Umwelt belastet. Erdgas hat im Vergleich zu Erdöl bei der Verbrennung weniger Emissionen, aber bereits bei der Förderung, dem Transport und der Verarbeitung des Gases werden klimaschädliche Gase freigesetzt.

Was wirklich helfen würde: ein kompletter Umstieg auf regenerative Energien und die Nutzung der noch sehr zahlreich vorhandenen Einsparmöglichkeiten.

Bündnis 90/ Die Grünen geht im Zusammenhang mit diesen Messungen davon aus, dass im Fall eines für die Industrie lohnenden Ergebnisses eine Ergasförderung nur mit Fracking möglich ist -wie bereits in den benachbarten Landkreisen passiert.

Fracking ist keine Bohrtechnik, sondern ein Verfahren, mit dem sich Erdgas aus undurchlässigem Gestein lösen lässt. Um diese "unkonventionelles Erdgas" aus dem Gestein zu lösen, muss der Untergrund aufgebrochen werden. Vor dem Fracking wird daher zunächst bis zu fünf Kilometer in die Tiefe gebohrt, dann horizontal in die gasführende Gesteinsschicht. Anschließend wird in die horizontale Bohrung mit einem enormen Druck von bis zu 1000 bar ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand oder Keramikkügelchen und diversen Chemikalien gepresst. Der Flüssigkeitsdruck sorgt dafür, dass das Gestein aufgesprengt und damit gasdurchlässig wird. Festkörper und Chemikalien halten die entstandenen Risse offen. Von den Chemikalien aber müssen laut Umweltbundesamt 17 als wassergefährdend eingestuft werden. Weitere 38 Substanzen gelten als "toxisch für die menschliche Gesundheit".

Dringt das Frack-Wasser also durch ein Leck in das Grundwasser ein, entsteht ein Schaden, der nicht einfach so wieder behoben werden kann. Bislang ist dieses Verfahren nur in Trinkwasserschutzgebieten verboten, direkt daneben nicht mehr...

Ob Fracking auch für Erdbeben verantwortlich ist? Diese und andere mögliche negative Folgen sind noch nicht erforscht.Technologien wie das Fracking können das Ende der Gasförderung in Deutschland höchstens etwas in die Zukunft verschieben unter Inkaufnahme von erheblichen Risiken für die Umwelt (Kontaminierung des Grundwassers und des Bodens) und für die vorhandene Infrastruktur und Gebäude durch Bodensenkungen und Erdbeben.

„Anfang Mai wurde nun aber bekannt, dass Niedersachsen Fracking-Bohrungen auf eigenem Gebiet nicht mehr ausschließt. Der Vorstoß von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ist nicht nur beim Koalitionspartner SPD umstritten, sondern auch innerhalb seiner eigenen Fraktion.“ (01.06.18, Umwelt+Energie-Report)

Wie gesagt: die Dea reicht für die geplanten seismischen Messungen den notwendigen Hauptbetriebsplan beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ein. Das LBEG beteiligt dann auch die Träger öffentlicher Belange, d.h. zuständige Behörden der Kreise und Gemeinden, am Verfahren.

Deshalb fordern wir die Verwaltung auf, sich gegen die Planungen zu seismischen Messungen zu wenden und der Dea die Erlaubnis zum Befahren und Betreten von Straßen, Wegen und Flächen für die Messungen zu verweigern.

Wir wünschen uns, dass sich private Grundeigentümer -bestenfalls über die Kreisgrenze hinaus- dieser Verweigerung anschliessen.

Interessiert an weiteren Informationen? www.seismik-unterweser.de.

 

Mit freundlichem Gruß,

Christina Klene

Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen

 

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