Zusammenfassung:
Klimaschutz in Lilienthal soll konsequent, ambitioniert und gemeinsam mit Bürger*innen umgesetzt werden – mit dem Ziel, Emissionen schnellstmöglich auf Null zu senken, Natur zu schützen und die Gemeinde klimaresilient weiterzuentwickeln. Klimaschutz soll Grundlage sein, für alle kommunalen Entscheidungen.
Dazu gehören der Schutz und die Wiedervernässung von Mooren, ein naturverträglicher Ausbau von Wind- und Solarenergie mit entsprechender Infrastruktur, mehr Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden, eine Stärkung klimafreundlicher Mobilität sowie eine behutsame Ortsentwicklung ohne zusätzliche Flächenversiegelung. Ergänzend sollen Hochwasser- und Dürrevorsorge verbessert, Flächen entsiegelt und begrünt, der Arten- und Baumschutz gestärkt und Müll vermieden werden.
Aus unserem Programm:
Die Klimadaten der Wissenschaftler sind alarmierend: Der Kipppunkt für 9 von 12 Kippelementen ist mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% bereits erreicht. Das Ziel, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, ist nicht mehr zu halten.
Wenn wir die verheerenden Folgen für Mensch und Natur abbremsen wollen, müssen wir möglichst schnell den Ausstoß klimaschädlicher Gase in den Bereichen Stromerzeugung, Mobilität, Heizen, Industrie und Landwirtschaft auf Null bringen. Dabei muss der zusätzliche Energiebedarf kompensiert werden, der anfällt, wenn zuvor stromfrei ablaufende Vorgänge elektrifiziert und digitalisiert werden: Beispiele dafür sind E-Autos, Wärmepumpen und KI.
Die Energiewende funktioniert nur zusammen mit den Bürger*innen und Kommunen, den regionalen Unternehmen und dem Handwerk. Was das EU-Parlament fordert – die Reduktion des CO2-Äquivalent-Nettoausstoßes um 55% (gegenüber 1990) bis 2030 und 90% bis 2040 – ist auch für Lilienthal ein notwendiges Minimalziel, das überschritten werden darf, aber keinesfalls unterschritten.
Dafür ist nötig, dass Verbrennungsprozesse vollständig elektrifiziert und die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr, Industrie, Dienstleistungen, Handel und Landwirtschaft völlig neu vernetzt werden. Zentral sind dabei die Nutzung von Windkraft und Photovoltaik sowie entsprechende Netze, Speicher und Ladeinfrastruktur, was wiederum Zusammenarbeit auf allen politischen Ebenen erfordert.
Wir finden es gut, wenn die Bürger*innen Lilienthals weiter für Probleme des Ressourcenverbrauchs sensibilisiert werden. Wir Grünen begrüßen, dass die Gemeinde ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet, und werden dessen Umsetzung unterstützen, ebenso die Öffentlichkeitsarbeit der Lilienthaler Klimaschutzmanagerin.
Folgende Ziele sollen erreicht werden (und werden im Rahmen der einzelnen Themenfelder weiter konkretisiert):
Moore: Ein Großteil der im Landkreis Osterholz entstehenden Klimagase stammt aus trockengelegten Moorflächen. Dass bestehende Moore geschützt und geeignete Flächen wieder vernässt werden, ist daher von großer Bedeutung für den Klimaschutz und sollte von der Kommune (z.B. Truper Blänken) und vor allem dem Landkreis (Teufelsmoor) entsprechend unterstützt werden. Dafür werden wir uns einsetzen.
Windenergie: Der Ausbau der Windenergie wird gemäß den gesetzlichen Vorgaben vom Landkreis mittels der Ausweisung von Vorranggebieten gesteuert. Das Gebiet im St. Jürgensland wurde davon ausgenommen – wegen seiner Bedeutung für den Vogelschutz. Die Flächen sollen aber gemäß Lilienthaler Ratsbeschluss hinsichtlich Natur- und Vogelschutz gutachterlich genauer geprüft werden. Wir würden es begrüßen, dass dort – wenn möglich – Teilgebiete erschlossen werden. Als Bündnis 90 / Die Grünen wollen wir, dass Natur- und Vogelschutz unbedingt berücksichtigt wird und Windkraftanlagen nur dann genehmigt werden, wenn eine ernstzunehmende Beeinträchtigung ausgeschlossen werden kann.
Solarenergie: Hier sehen wir Möglichkeiten auf bereits versiegelten und überbauten Flächen, die erschlossen werden sollten. Geeignete gemeindeeigene Dächer wurden – wie von den Grünen gefordert – mittlerweile in Zusammenarbeit mit der Bürgerenergie-Genossenschaft mit PV-Anlagen nachgerüstet. Mittelfristig wäre dafür, nach Sanierung des Untergrundes, der Parkplatz am Schoofmoor sehr gut geeignet.
Wir wollen die Rahmenbedingungen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen weiter entwickeln und verbessern, um Investoren zu gewinnen. Studien haben gezeigt, dass bei kluger Gestaltung und Bewirtschaftung von PV-Anlagen die Biodiversität im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Flächen erhöht wird – bedrohte Arten finden dort Schutz. Wir treten dafür ein, dass die zurzeit überzogenen kommunalen Richtlinien hinsichtlich Bodenpunkten und Mindestabständen gesenkt und den vom Land vorgegebenen Werten angeglichen werden. Für größere Freiflächen-Anlagen sind aus Gründen der Netzstabilität Batteriespeicher vorzusehen.
Entwicklung der Gemeinde: Wie die Bürgerbefragung im Jahr 2025 gezeigt hat, wollen viele Lilienthaler*innen, dass ihre Gemeinde behutsam weiterentwickelt wird und ihren naturnahen, grünen Charakter erhält. Das unterstützen wir. Dass noch mehr große Flächen versiegelt werden, muss vermieden werden. Wenn die Gemeinde neue Gewerbe- oder Wohnflächen erschließt, sollte das im Einklang mit der Infrastruktur erfolgen.
Verkehr: Der Fokus sollte auf klimafreundlicher Mobilität liegen. Wir wollen, dass die Ladesäulen-Infrastruktur weiter ausgebaut wird und bei Baumaßnahmen die ÖPNV-Anbindung sowie Fuß- und Radverkehr berücksichtigt und gestärkt werden. Im Zentrum Lilienthals sollten Alltagsziele fußläufig erreichbar sein.
Energieeffizienz: Dass mit Energie effizienter und sparsamer umgegangen wird, ist ein wesentliches Element der Energiewende. Die Gemeinde sollte dazu beitragen, indem Prozesse optimiert, gemeindeeigene Gebäude energetisch saniert und Neubauten im Passivhausstandard geplant werden.
Das intelligente Beleuchtungsmanagement mit automatisch gedimmten LED-Laternen auf öffentlichen Wegen, Plätzen und Gebäuden wird unter Gewährleistung des Sicherheitsaspektes weitergeführt.
Klimafolgenanpassung und Hochwasserschutz: Wegen der zu erwartenden häufigeren Extremwetterereignisse müssen die aus den Erfahrungen des Hochwassers 2023/24 abgeleiteten Maßnahmen wie das Hochwasserschutzkonzept weiterverfolgt werden. Die gemeindeübergreifende Hochwasser-Partnerschaft Wümme/Wörpe mit den angrenzenden Landkreisen und der Stadt Bremen bietet die Voraussetzung für kontinuierliche Verbesserungen in ganzheitlichem Rahmen.
Dürre und Wassermangel: Während Instrumente wie etwa ein Bewässerungsverbot nur auf Kreisebene eine Rolle spielen, bleibt es eine wichtige Aufgabe der Gemeinde, Bürger*innen über sich ankündigende Engpässe aufzuklären und für sparsamen Verbrauch zu werben. Auf Dächern und versiegelten Flächen anfallendes Oberflächenwasser soll — soweit möglich — ortsnah versickern und nicht in fließende Gewässer abgeleitet werden.
Entsiegelung und Begrünung: Um uns besser vor Hitzewellen zu schützen, sollten gemeindeeigene, versiegelte Flächen, wo immer möglich, entsiegelt und begrünt werden. Es ist wichtig, dass der vorgegebene Versiegelungsgrad von privaten Grundstücken eingehalten und dies vom Landkreis eingefordert wird. Wir wollen, dass die Fassaden unserer kommunalen Gebäude grundsätzlich begrünt werden, sofern dem keine statischen Gründe oder Gründe des Denkmalschutzes entgegenstehen. Lösungen mit begrünten Dächern und Fassaden, Kühlungssystemen durch Pflanzen und dergleichen sollen zentrale Punkte bei der Ausschreibung und der Vergabe von Bauleistungen sein.
Natur- und Artenschutz: Die Verwaltung der Gemeinde Lilienthal stellt der Öffentlichkeit alle drei Jahre einen Umweltbericht zur Verfügung. Der Umweltbericht gibt Auskunft über Boden und Gewässerschutz, Natur- und Landschaftsschutz/-pflege sowie Lärmemissionen. Die gemeindlichen Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete bieten dabei Lebensraum für schutzbedürftige Tier- und Pflanzenarten, dienen der Naherholung und prägen das Ortsbild.
Innerorts spenden Bäume Schatten, binden Feinstaub, verringern Lärm, verbessern das Mikroklima und stellen wertvolle Lebensräume dar. Wir fordern daher erneut den Erlass einer Baumschutzsatzung durch die Gemeinde Lilienthal. Gemeindeeigene Flächen und Ausgleichsflächen sollen naturnah begrünt, private Schottergärten bestenfalls durch artenreiche Bepflanzungen ersetzt werden, wobei die Einhaltung der Richtlinien in der Aufsicht des Kreises liegt und von diesem verstärkt wahrgenommen werden sollte.
Müllreduktion: Die Gemeinde Lilienthal engagiert sich für nachhaltigeren Konsum und für Müllreduktion in gemeindeeigenen Einrichtungen, Betrieben und privaten Haushalten. Dazu gehört Information und Beratung in Kooperation mit ortsansässigen Bürgerinitiativen, Vereinen, Verbänden und Institutionen.
Artikel kommentieren
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.